In der DDR gab es eine sehr lebendige und hochdifferenzierte Theaterszene, man kann mit einigem Recht sagen – sie war dem westdeutschen Theater Jahre voraus. Als in Bonn noch an der Rampe stehend mit großer Geste deklamiert wurde, wurden in Ostberlin schon postdramatische Performances mit bis zu drei Metaebenen verhandelt. Um den zum Großteil im „Dritten Reich“ ausgebildeten Schauspieler innen allerdings die Neigung zum Pathos auszutreiben, mussten die Regisseur innen und Intendant innen in bewährtem sozialistischen Realismus auf gleichermaßen elegante wie zweckdienliche Lösungen zurückgreifen. Das zweifellos effektivste derartige Mittel war das Störschwein. Hierbei wurde ein beim Inspizientenpult auf der Seitenbühne zu diesem Zwecke vorgehaltenes, höchstens zwei Jahre altes Schwein immer dann über die Bühne getrieben, wenn eine r der Schauspieler innen der Gewohnheit folgend zu deklamieren begann. Der Wirkmechanismus ist so einfach wie genial: Denn kaum jemand kann adäquat das Leid etwa der Louise Millerin tief empfunden wiedergeben, wenn ihr gleichzeitig von einem Schwein die Show gestohlen wird, schließlich gehören Tiere zu den stärksten Theaterzeichen. Da diese jungen Schweine übrigens die Tendenz hatten, direkt auf den vorderen Teil des Bühnenbodens – die sogenannte Rampe – zuzulaufen, die Lichtkegel des dort befestigten Rampenlichts komplett zu verdecken und so die tiefer in der Bühne stehenden Schauspieler innen buchstäblich in den Schatten zu stellen, nannte man diese Tiere nicht nur bei ihrem Fachbegriff „Störschwein“, sondern eben auch „Rampensau“.
Nach den vielbeachteten Stücken „rechtes denken“, „europa verteidigen“ (letzteres war 2017 für den Mülheimer Dramatikerpreis nominiert und gewann dort den Publikumspreis), „der westen“ und „fort schreiten“ hat Dramatiker Konstantin Küspert erneut ein Stück für das Bamberger Ensemble geschrieben. In „Das Störschwein oder The Pig Escape“ geht er dem Phänomen ebendieses Störschweines nach: Was hat es mit dieser Sau auf sich, die so vielen Kolleg innen die Show stiehlt?
RegieDaniel Kunze
Bühne und KostümeSophie Leypold
DramaturgiePauline Donschen
Es spielen: Antonia Bockelmann, Eric Wehlan
Datum: 25. April 2025
Zeit: 20:00 Uhr
Diese Veranstaltung wird Ihnen präsentiert von:
„Kultur.Bamberg – der offizielle Veranstaltungskalender für Stadt und Landkreis Bamberg“
Auch an diesem Ort
-
Theater
4. April 2025
Leonce und Lena, Georg Büchner
-
Theater
5. April 2025
Leonce und Lena, Georg Büchner
-
Theater
8. April 2025
Leonce und Lena, Georg Büchner
-
Theater
8. April 2025
Stephan Ullrich liest Voltaire: Candide oder der Optimismus
-
Theater
9. April 2025
Leonce und Lena, Georg Büchner
-
Theater
10. April 2025
Leonce und Lena, Georg Büchner
-
Theater
11. April 2025
TILL TILL TILL, Hannes Weiler
-
Theater
12. April 2025
+Tanzfestival
-
Theater
12. April 2025
TILL TILL TILL, Hannes Weiler
-
Theater
13. April 2025
+Tanzfestival
-
Theater
15. April 2025
Improtheater Ernst von Leben
-
Theater
16. April 2025
TILL TILL TILL, Hannes Weiler